Am Ende kommt dieser eine Satz: „Haben Sie noch Fragen an uns?" Viele Berufseinsteiger:innen schütteln dann den Kopf – aus Höflichkeit, aus Erschöpfung, aus Angst, etwas Falsches zu fragen. Schade. Genau in diesen fünf Minuten erfahren Sie, ob der Job hält, was das Inserat verspricht.
Das AMS formuliert es auf seiner Seite zu den Fragen im Vorstellungsgespräch deutlich: „Die mitunter wichtigsten Fragen im Bewerbungsgespräch gehen nicht von Ihrem Gegenüber aus, sondern von Ihnen selbst." Als Beispiele nennt das AMS unter anderem, wo die größten Herausforderungen der ausgeschriebenen Position liegen und was es über die Teammitglieder zu wissen gibt. Auf der Seite zum Vorstellungsgespräch rät das AMS außerdem, vorab eine Liste mit Fragen an den Arbeitgeber zusammenzustellen.
Solche Fragen sind ein guter Anfang. In Pharma, Biotech und Chemie lässt sich aber deutlich konkreter fragen – und genau daran merkt Ihr Gegenüber, dass Sie den Betrieb verstanden haben. Diese fünf haben sich bewährt.
1. „Unter welchen Kollektivvertrag fällt die Stelle – und in welche Einstufung?"
Für Angestellte der chemischen Industrie gibt es laut WKO einen österreichweit geltenden Kollektivvertrag, aktuell in der Fassung ab 1. Mai 2026. Nicht jeder Arbeitgeber im Pharmaumfeld fällt allerdings darunter: Auftragsforschungsinstitute, Handels- und Großhandelsbetriebe oder Personaldienstleister können anderen Regelwerken unterliegen. Fragen Sie deshalb nach dem Kollektivvertrag, nach der vorgesehenen Einstufung und danach, ob und unter welchen Bedingungen Praktikums- oder Vordienstzeiten angerechnet werden. Ein „Das klären wir dann mit HR" ist selbst eine Auskunft – dann kommt die Frage schriftlich beim Vertragsentwurf noch einmal.
2. „Wie viel Labor beziehungsweise Anlage, wie viel Dokumentation?"
Das ist die Frage, die am meisten über Ihren künftigen Tag verrät. Zwei Stunden Probenvorbereitung und sechs Stunden Prüfberichte sind ein anderer Job als umgekehrt. Fragen Sie ruhig direkt: Wie viele Proben oder Chargen laufen pro Woche? Wer gegenzeichnet, was ich dokumentiere? Und ab wann darf ich Ergebnisse selbst eintragen? Wer das beantworten kann, kennt die Stelle wirklich.
3. „Wie sieht das Schichtmodell aus – und wo genau ist der Arbeitsplatz?"
In der Produktion entscheidet das Schichtmodell über Ihr Privatleben, im Labor oft die Rufbereitschaft. Und der Standort entscheidet mit über das Geld. In unserer eigenen Auswertung der aktuell auf pharmakarriere.at ausgeschriebenen Stellen (Stand 21.09.2026) liegt der Median der angegebenen Einstiegsgehälter in Wien bei 4.285 Euro brutto im Monat (41 Stellen), in Lannach bei 3.463 Euro (24 Stellen) und in Wels bei 2.857 Euro (13 Stellen). Das ist kein Ortsbonus, sondern vor allem ein Job-Mix: Wo viel Produktion ausgeschrieben ist, liegt der Median tiefer. Fragen Sie trotzdem konkret nach dem Dienstort – bei Betrieben mit mehreren Werken ist „Wien" manchmal die Zentrale und der Arbeitsplatz eine Stunde entfernt.
4. „Ist die Stelle an ein Projekt gebunden – und wer ist mein Vertragspartner?"
In der klinischen Forschung hängen Rollen häufig an einer Studie, in der Technik an einem Qualifizierungsprojekt. Das ist kein Ausschlussgrund, aber Sie sollten es wissen, bevor Sie unterschreiben. Zwei Sätze reichen: „Ist die Position unbefristet ausgeschrieben? Und bin ich direkt bei Ihnen angestellt oder bei einem Dienstleister?"
5. „Wie geht es jetzt weiter – und bis wann?"
Die letzte Frage kostet nichts und erspart Ihnen zwei Wochen Grübeln. Fragen Sie nach der Zahl der weiteren Gesprächsrunden, nach einem etwaigen Fachteil und nach dem Zeitpunkt der Rückmeldung. Das AMS empfiehlt, ein bis zwei Wochen nach dem Vorstellungsgespräch telefonisch oder per E-Mail nach dem Stand des Bewerbungsprozesses zu fragen, und rät zusätzlich zu einer kurzen Dankes-E-Mail.
Und wenn die Gehaltsfrage kommt?
Laut AMS wird die Frage nach dem Wunschgehalt spätestens im zweiten Bewerbungsgespräch gestellt. Der Rat dort: sich nicht sofort auf eine konkrete Zahl festlegen, sondern eine Gehaltsspanne nennen – das lässt Raum für Verhandlungen. Damit die Spanne nicht geraten wirkt, hilft ein Blick auf den Markt. Über alle Fachgebiete hinweg liegt der Median der ausgeschriebenen Einstiegsgehälter in unserer Auswertung bei 3.536 Euro brutto, die mittlere Bandbreite zwischen 2.853 und 4.642 Euro (150 von 229 Stellen mit Gehaltsangabe, Stand 21.09.2026). Nach Fachgebiet gehen die Werte weit auseinander:
- Produktion: Median 2.735 Euro (27 Stellen)
- Chemie und technische Chemie: 3.600 Euro (15 Stellen)
- Technik und Infrastruktur: 4.000 Euro (27 Stellen)
- Qualitätssicherung und Biotechnologie: jeweils 4.355 Euro (13 bzw. 16 Stellen)
Wichtig: Das sind die im Inserat genannten Mindestgehälter, nicht das, was am Ende im Vertrag steht. Sie taugen als Boden und als Argument, nicht als Versprechen.
Ein letzter praktischer Punkt: Schreiben Sie die Antworten mit, gleich im Gespräch. Wer in der zweiten Runde sagt „Sie haben letztes Mal erwähnt, dass die Anlage im Frühjahr qualifiziert wird – wo würde ich da einsteigen?", bewirbt sich nicht mehr, sondern verhandelt. Rechtliche Details zu Vertrag und Einstufung klären im Zweifel Arbeiterkammer oder Gewerkschaft; dieser Beitrag ersetzt keine Beratung im Einzelfall.
